Dienstag, Juni 07, 2016

Ist der Klimawandel schuld an den heftigen Gewittern? Diese Frage steht im Raum, denn die Häufung extremer Gewitter mit Starkregen innerhalb der vergangenen zehn Tage ist ungewöhnlich. Jedoch sollte man mit voreiligen Schlussfolgerungen vorsichtig sein, denn der Klimawandel lässt sich nicht an einzelnen Witterungsabschnitten fest machen.


Genauso zweifelhaft ist es, die globale Erwärmung aufgrund des kalten März 2013 in Frage zu stellen. Denn der vom Menschen beeinflusste Klimawandel vollzieht sich innerhalb von Jahrzehnten bis Jahrhunderten und zudem nicht überall in gleicher Geschwindigkeit und Ausprägung. Zudem ist das Klimasystem, hauptsächlich bestehend aus der Atmosphäre, den Ozeanen, dem doch nicht so ewigen Eis und der Biosphäre, also hauptsächlich der Vegetation, sehr komplex und von zahllosen Wechselwirkungen geprägt, so dass einfache Ursachen sehr vielfältige und manchmal auch schwer zuzuordnende Wirkungen hervorrufen.

Eine Zunahme der Weltmitteltemperatur aufgrund der steigenden Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre ist sehr wahrscheinlich und auch leicht nachvollziehbar. Jedoch zieht diese Erwärmung weitere Veränderungen nach sich, wie beispielsweise die räumliche und zeitliche Umverteilung des Niederschlages. So werden in Deutschland die Winter im Mittel feuchter und die Sommer in der Regel trockener. Die im Trend liegende Sommertrockenheit ist jedoch in Südeuropa noch viel ausgeprägter als hierzulande.

Aber diese beobachteten und zu erwartenden systematischen Veränderungen sind meistens von natürlichen Schwankungen überdeckt, treten somit nicht immer deutlich zu Tage. Aus diesem Grund ist es notwendig, möglichst lang zurückreichende Daten aus unterschiedlichsten Regionen zu betrachten. Einzelne Wetterkapriolen, mögen diese auch noch so extrem sein, sagen nichts über klimatische Entwicklungen aus.

Jedoch ist seit etwa 1980 eine weltweite Zunahme der Luftfeuchtigkeit beobachtet worden. Das ist naheliegend, da die durch den Treibhauseffekt erwärmte Luft der unteren Atmosphärenschichten aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkeiten mehr Wasser speichern kann. So können in einer Luftmasse bei null Grad maximal 5 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter gelöst sein, bei 30 Grad sind es aber bereits 30 Gramm.

Bei der Kondensation des in der Atmosphäre enthaltenen Wasserdampfes werden gewaltige Energiemengen umgesetzt, die schwere Gewitter erst möglich machen. Somit ist es durchaus plausibel, dass es in Deutschland im Zuge der globalen Erwärmung vermehrt zu heftigen Gewittern kommen kann und bereits gekommen ist. Den Klimawandel pauschal als Ursache für einzelne Wetterphänomene, wie die Unwetter der vergangenen Tage heranzuziehen ist jedoch unangemessen.

Zudem lag die sehr feuchte Luftmasse, in der sich in den vergangenen Tagen die schweren Gewitter mit Starkregen entwickelten, ungewöhnlich lange über Mitteleuropa und Deutschland. Das hatte seine Ursache in der großräumigen Verteilung der Druckgebiete. Denn Hochdruckgebiete über Skandinavien und dem Nordatlantik blockierten quasi Atlantiktiefs, die aus Westen kommend für einen Luftmassenwechsel hätten sorgen können.

Somit konnten sich seit dem 27. Mai in der sehr gewitterträchtigen Luft, angefacht durch die um diese Jahreszeit hoch aufsteigende Sonne, immer wieder aufs Neue schwere Gewitter entwickeln, die unter windschwachen Bedingungen nur sehr langsam zogen und daher auf kleinem Raum zu immensen Regenmengen führten. Zwar wird schon seit Jahren eine Zunahme der Erhaltungsneigung, also der Andauer von Wetterlagen in Deutschland beobachtet, ob hierbei jedoch der Klimawandel eine Rolle spielt ist noch ungeklärt.

http://wetter.tagesschau.de/wetterthema/2016/06/06/nehmen-schwere-gewitter-zu.html

Etiketten: Unwetter, Gewitter, Klimawandel

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