Dienstag, Juni 21, 2016

Die EnBW will Atommüll aus Obrigheim auf dem Schiffsweg nach Neckarwestheim bringen. Das wurde am Montag bekannt. Es wäre der erste Transport dieser Art in Deutschland. Schon am Tag der Bekanntgabe gab es Protest.

Die EnBW bestätigte bei einer Pressekonferenz, 15 Castoren mit insgesamt 342 verbrauchten Brennelementen vom 2005 abgeschalteten Kernkraftwerk Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) per Schiff nach Neckarwestheim bei Heilbronn befördern zu wollen. Damit sind zuvor diskutierte Pläne für einen Transport auf der Straße vom Tisch. Es wäre das erste Mal, dass innerhalb Deutschlands Atommüll auf dem Wasserweg transportiert wird.

Die Behälter sollen für den Transport auf ein antriebsloses Schiff gebracht werden, das von einem anderen Boot geschoben wird. Eine Schiffsanlegestelle am Kraftwerksgelände von Neckarwestheim, an der die abgebrannten Brennelemente ausgeladen werden können, ist bereits in Arbeit. Die Genehmigungen für den Transport auf dem Neckar und für die Lagerung der Brennelemente seien beim Bundesamt für Strahlenschutz bereits gestellt. Die EnBW rechnet frühestens 2017 mit den ersten Transporten.  

Die Verlegung des Atommülls nach Neckarwestheim hätte aus EnBW-Sicht den Vorteil, dass in Obrigheim nicht noch ein kleines Zwischenlager gebaut werden müsste und der Rückbau bis zur "grünen Wiese" erfolgen könnte. Hauptgrund für die Wahl des Wasserwegs sei, negative Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr zu vermeiden, so Jörg Michels, Chef der EnBW Kernkraft GmbH. Mit den Kommunen auf der rund 50 Kilometer langen Strecke werde das Unternehmen den Dialog suchen.

Heftiger Widerstand gegen EnBW-Pläne


Scharfe Kritik an den Plänen der EnBW kommt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Risiken für Mensch und Umwelt seien erheblich. Die Landeschefin des BUND, Brigitte Dahlbender, wies darauf hin, dass die EnBW keinerlei Erfahrung mit Transporten auf Binnengewässern habe. "Ein Unfall trifft automatisch auf viele Kilometer Wasser und auf Tausende Menschen", gab sie zu bedenken.

Die zuständigen Behörden dürften die Transporte auf keinen Fall bewilligen, erklärte Dahlbender weiter. Der Darstellung der EnBW, die sogenannten Schubenleichter seien unsinkbar, schenke sie keinen Glauben. Der BUND plädiert für den Bau eines dritten Zwischenlagers in Obrigheim. Neben dem Lager in Neckarwestheim gibt es bereits eines am Kernkraftwerk Philippsburg (Kreis Karlsruhe). "Alles ist besser als der Transport", betonte Dahlbender. 

Angst vor Endlager

Auch Neckarwestheim will eine mögliche Zwischenlagerung der abgebrannten Brennelemente auf seinem Gebiet verhindern. "Es gab Zusagen, daran hat sich die Politik zu halten", sagte Bürgermeister Jochen Winkler. Demnach sollte in Neckarwestheim nur Energie produziert und der Atommüll anderswo gelagert werden. Dennoch habe der Energieversorger EnBW 2006 ein atomares Zwischenlager in der 3.800-Einwohner-Kommune errichtet.

In den Genehmigungsverfahren für Transport und Zwischenlagerung beim Bundesamt für Strahlenschutz werde Neckarwestheim seine Bedenken einbringen und für einen Verzicht plädieren, sagte Winkler weiter. Die Bürger befürchteten, dass das Zwischenlager zum Endlager werde. Zwar gebe es wegen der großen Bedeutung des Atomkraftwerkes als Arbeitgeber unterschiedliche Meinungen zu den Plänen in Neckarwestheim, sagte der Bürgermeister. Aber der Gemeinderat sei mehrheitlich gegen eine Nutzung des Zwischenlagers für den Müll eines anderen Kraftwerks. Diese Position werde die Gemeinde vertreten.

EnBW-Kernkraft-Chef Michels meinte, er könne nicht sagen, wie lange die Castoren in Neckarwestheim bleiben sollen. "Das liegt in der politischen Verantwortung.

"In Deutschland gibt es noch kein Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Derzeit sind im Zwischenlager Neckarwestheim 53 Castoren untergebracht. Mit der geplanten Abschaltung von Block II im Jahr 2022 werden dann insgesamt 125 Plätze belegt sein. Die maximale Kapazität liegt bei 151 Plätzen, so dass noch Platz für die Behälter aus Obrigheim bestünde.

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/enbw-praesentiert-plaene-fuer-castortransport/-/id=1622/did...


Etiketten: Atommüll

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