Donnerstag, Juni 23, 2016

Cristiano Ronaldo hat gegen die Ungarn gezeigt, dass er den Unterschied ausmacht. Sein extrovertiertes Verhalten gilt bei vielen Beobachtern oft als gockelhaft - dabei ist es Teil des großen Erfolgs des 31-Jährigen.



Eigentlich hätte es ein Tag der puren Freude für ihn sein müssen. Aber von Glückseligkeit war bei Cristiano Ronaldo nichts zu sehen. Vielmehr sah er verärgert aus. Die Kritiker dürften aus seiner zurückhaltenden Reaktion unmittelbar nach dem 3:3 gegen Ungarn wieder einmal eine Form der besonderen Arroganz gesehen haben.

Schließlich hatte der 31-Jährige zwei sehenswerte Treffer, einen spektakulär mit der Hacke und einen weiteren mit dem Kopf im Stile eines echten Torjägers, erzielt. Und das erste Tor der Portugiesen durch Nani hatte Ronaldo auch noch mit einem gestochen scharfen Pass vorbereitet. Er hatte sein Team damit im Alleingang in die nächste Runde geschossen. Wenn das kein Grund zur Freude ist?

Ernste Miene statt Überschwang

Aber was macht Ronaldo? Anstatt sich überschwänglich über diese, seine ganz eigenen Erfolgserlebnisse, ausgiebig zu freuen, diskutierte er nach dem Abpfiff erst einmal die (Defensiv-) Probleme, die die gesamte Mannschaft mit den forschen Ungarn hatte - und die sich bereits durch die gesamte Vorrunde ziehen.

"Natürlich wollten wir Gruppensieger werden. Wir haben uns sehr schwer getan. Kroatien hat sehr gute Spieler. Die Chancen stehen 50:50", sagte Ronaldo sichtlich unzufrieden und mit Blick auf den kommenden Gegner im EM-Achtelfinal

Sicht auf Große und Ganze

Ronaldos Reaktionen scheinen auf den ersten Blick oft irrational zu sein. Noch am Morgen vor dem Spiel warf er das Mikrofon eines Reporters in einen See, weil dessen Frage ihn nervte. Der Druck auf den zweimaligen Weltfußballer ist immer besonders groß. Vor dieser Begegnung war sie aufgrund seiner missglückten Auftritte bei diesem Turnier wohl noch ein Stück größer.

Ronaldos Interesse dreht sich vor allem um den Erfolg - natürlich seinen eigenen, aber auch den der gesamten Mannschaft. Weil selbst der oft so selbstverliebt erscheinende Ronaldo sich darüber bewusst ist, dass auch er ohne Mitspieler nichts bewirken kann. Ronaldo entwickelt seinen ausgeprägten Egoismus auch im Sinne seines Teams.

Ronaldo kann schnell switchen

Wenn es schief läuft und seine Mannschaft verliert, bekommt vor allem er den Hohn und den Spott zu spüren. Die Last der Niederlagen liegt stets und vor allem auf seinen durchtrainierten Schultern. Diesen emotionalen Spagat muss er regelmäßig, ob in der Nationalmannschaft oder bei seinem Verein Real Madrid bewältigen.

"Ronaldo ist ein Siegertyp", sagte Fernando Santos nach dem Abpfiff gegen die Ungarn. Und damit meinte der Trainer der Portugiesen auch die Sicht Ronaldos aufs Große und Ganze.

Für keinen anderen Spieler bei diesem Turnier sind derlei positive Erfahrungen wie aus dem Ungarn-Spiel so "normal", wie für Ronaldo. Deshalb können wohl auch nur die wenigsten über solche Erfolgserlebnisse so schnell hinweg sehen und sich auf Problemlösungen konzentrieren, wie es der Angreifer jetzt zeigte.

Noch kein Titel mit der Nationalmannschaft

Ronaldo selbst hat den Weg ins Turnier spätestens mit dieser Partie gegen die Ungarn gefunden. Er will in diesem Jahr den EM-Titel gewinnen, das ist ihm deutlich anzusehen. Eine nächste Chance wird es für ihn aufgrund seines Alters wohl nicht mehr geben. Mit der Nationalmannschaft läuft er einem großen Erfolg hinterher.

Natürlich hat Ronaldo auch hier schon seine Spuren hinterlassen. Die Partie gegen Ungarn war seine 17. bei einer EM-Endrunde, damit ist er Rekordhalter. Außerdem ist er der erste Spieler, der bei der vierten Europameisterschaft in Folge getroffen hat.

Sollte es ihm tatsächlich gelingen, den EM-Pokal am 10. Juni in die Höhe zu recken, wird er umso ausgiebiger jubeln. Und vermutlich wird er dies wieder so extrovertiert tun, dass er vielen Beobachtern erneut den Eindruck vermitteln wird, als hätte er dieses Ziel ganz alleine erreicht. Spätestens dann hätte er seine ganz persönliche Mission erfüllt.

Stand: 22.06.2016, 21:51

http://www.sportschau.de/uefaeuro2016/ronaldos-extravaganz-spaltet-100.html

Etiketten: Fussball, UEFA Euro 2016, C.Ronaldo, Ungarn,

Geben Sie den ersten Kommentar!
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen , teilen Sie es!
comments powered by Disqus
Ich will doch keinen Wechsel bei den Ländern Wählen Sie ein Land!
Ich suche doch nicht Suchen Sie, was Sie wollen!
Anmelden / Log in
Vergessenes Passwort